Buddy Miller & Band Of Joy

Gestern habe ich auf zdf.kultur Robert Plant mit seiner “Band Of Joy” gesehen und gehört. Sie stellten bei TheArtistsDen ihr Album von 2010

Band of Joy

vor. Das Album ist wirklich gut und hörenswert. Aber es ist von so miserabler Soundqualität, so matschig und ohne jede Dynamik (DR = Dynamic Range 7)  aufgenommen, dass ich es sicherlich nicht häufiger als zwei mal von Konserve hören werde. Robert Plant muss einen massiven Gehörschaden haben oder ich bin von besseren Aufnahmen verwöhnt. Auch sein letztes Album, das (was Musik, Gesang und Interpretation angeht) wunderbare Raising Sand war dumpf und matschig aufgenommen und im Vergleich etwa zu den Produktionen von Daniel Lanois nur mit Dröhnung zu ertragen. Vielleicht gibt Robert Plant ja endlich mal die Verantwortung für Sound und Aufnahme an einen fähigeren Produzenten ab.

Ganz anders der Live-Auftritt: Man mag Robert Plants exaltierte Handgymnastik rund um das Mikrofon finden, wie man will – der Mann ist ein Weiterlesen

Christopher Walken is interesting

There are great american actors, whose parents came from germany. Peter Lorre, Oskar Werner and Christopher Walken. Not only the devilish opposer of James bond, but smooth young man in many shakespeare dramas, musical star in younger years, funny old man in “Hairspray” – and he can even dance. Tapdancing like hell so even Fred Astaire and Gene Kelly honored him.

In 1995 he was interviewed at Actor’s Studio. See:

Less serious, but even more revealing – his dance-overload (watch to the end!):

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Levon Helm is dead

Levon Helm (by billboard.com)

About two weeks ago Levon Helm died. Levon was the man with that unique moving voice and the fat rock-bassdrum. He reached stardom with the band, could be heard singing 3 to 4 voice and nailing this whole hippie-company together in the legendary “The Last Waltz” film by Martin Scorcese. Just a few solo-albums showed his gift of bringing a song across to the hearts of the listener. Even better he did in his solo album “Dirt Farmer”, where he discovered the old songs of his Arkansas home. He recorded this album after recovering from throat cancer. His studio burnt down. He had quite a load to bear in his later days.

And every time i hear this man sing, it moves me back and forth. Straight from the heart, like in his guest apearance in the great album “The Neighborhood” by Los Lobos, where he sang “Little John Of God”. You can’t do better.

 

 

Zappa als Zirkustruppe?

Da schreibt einer

Zappa ist die höchstniveauige Kombination von meisterklassigem Musikantentum und subversivem Witz. Ich konnte aber nie drüber lachen. Ich fand Zappa immer sehr viel Aufwand und letztlich langweiliges Sportgedaddel für relativ wenig Pointe. Und da war nichts bei, was mich berührt hat. Zappa zu hören war für mich immer, als würde ich im Zirkus eine Artistentruppe anschauen.

und hat nicht mal so ganz Unrecht damit. Ganz korrekt wäre es, wenn man “subversiv” durch “pubertär” ersetzt. – It’s only rock’n roll….

Barbara Dennerlein kann Orgel, aber

… ich muss zugeben, dass die B3 nicht mein Lieblingsinstrument ist. Eher für Effekte und Sound als für die erste Stimme. Ein Instrument, ohne das die legendäre Live-Version von Bob Marley “No woman, no cry” nicht denkbar wäre. Aber auch ein Instrument, mit dessen Hilfe (so oder anders) Horden von Alleinunterhalten Hotelgäste und Besucher von Tanztees quälen. Schubidubi.

The Best Of Barbara Dennerlein

Barbara Dennerlei, die perfekte Technikerin, macht aus dieser Not eine Tugend: Interessant arrangierte Kompositionen, die den Begleitmusikern viel Raum lassen, wilde Bläsersätze (hört sich manchmal an wie Dirty Dozen Brass Band) und der witzige Details (wilde Singstimmen, harmonische Spielereien) – die Frau ist eine brilliante Komponistin mit viel Witz. Die etwas gleichmäßige Dynamik der Orgel gleicht die Band aus. Es ist extrem funky, es groovt wie die Sau.

Warum keine 5 Sterne? Es ist zu viel B3 für meinen Geschmack. Und das geht mir sogar bei Jimmy Smith so, und der ist wirklich ein ganz Großer. Und der Sound gefällt mir nicht, er ist zu spitz. Ein relativ geringer Dynamikumfang (DR=9 ist wenig für eine Jazzplatte), sehr spitze Bläser und wo bleibt der Griff zu den tiefen Registern? Wenn mein Lieblings-Orgler Brian Auger in die Tasten greift, dann wackeln vom Bass auch mal die Wände oder es wird ganz langsam. Hier dagegen kling es immer hell und gefällig. Und einige langsamere oder sogar dramatische Nummern (das geht auf der Orgel) wären auch ganz schön gewesen. Aber: Wer es flott und gefällig mag, hat hier viel Freude.
Rating: ★★★☆☆

Der Zeit weit voraus mit Tiefe, Schwärze und Orgel

… war dieses Bandprojekt Brian Auger & Julie Driscoll: Streetnoise (1970) wie viele andere Musiker aus den Jahren 1966-1970 auch:

Streetnoise

Eine unwiderstehliche und intensive Mischung aus (modalem!) Jazz, Soul, Blues und Avantgarde brachte Brian Auger zustande mit der unglaublich charismatischen Sängerin Julie Driscoll und anderen Musikern, die später in anderen britischen Combos berühmt wurden. Der treibende und harmonisch ausgefallene Titel “Tropic of Capricorn”, das tiefschwarze Cover “When I was a young girl”, das programmatisch schmerzhafte “Czechoslovakia”, “Light My Fire” so abgrundtief intensiv und rabenschwarz-sexy wie kaum eine andere Version dieses vielgespielten Titels. Man mag kaum auf einzelne Titel eingehen – jede Interpretation und vor allem auch die Eigenkompositionen sind über jeden Zweifel erhaben und gehören zum Besten, was im Grenzbereich zwischen den genannten Musikstilen in den letzten 40 Jahren zu hören war. Dieses Album glüht wie ein Komet, kein Wunder, dass die Band sich kurz darauf in alle Himmelsrichtungen zerstreute.

Über die merkwürdigen Umstände der Entstehung dieses Ausnahmealbums ist bei Amazon und in den Liner-Notes schon viel geschrieben worden. Den großen Zeitdruck hört man den scheinbar oft im first take entstandenen Aufnahmen teilweise etwas an. Aber wenn Brian Auger die tiefen Register seiner Orgel dazu bringt, buchstäblich die Wände wackeln zu lassen. Wenn Julie Driscoll raunt und ihre Stimme in die tiefsten Lagen zwingt, wenn Drummer Clive Thacker ebenso kraftvoll wie präzise den Grenzbereich zwischen Hardrock (entstand mit Jeff Beck’s Formation etwa zeitgleich) und Jazz auslotet. Das klingt unfassbar modern, absolut zeitlos und ist übrigens auch (play it loud) sehr gut und durchsichtig aufgenommen. DR = 8 (was man beim Hören nicht glauben mag – so laut und leise wie das Album wirkt).

Ein Album für alle, die sich nicht vor intensiver Musik fürchten und wissen wollen, wie weit die moderne Musik schon 1970 war. Und die auch komplexe Harmonien oder heftige Interpretationen vertragen.

Rating: ★★★★★

John Hiatt und sein Traumalbum

John Hiatt hatte mit seinem Album Bring the family (1987)

Bring the Family

eine außergewöhnliche Basis. Gerade vom Alkohol weg wurde er von einem A&R Manager gefragt, was seine Traumband für ein Soloalbum wäre. Nick Lowe (b), Ry Cooder (g) und Jim Keltner (dr) war seine Antwort und diese Drei waren (bei einem so guten Songwriter wie Hiatt nicht verwunderlich) sofort bereit, mit ihm in’s Studio zu gehen. Und heraus kam (nach nur vier Tagen Studioarbeit) dieses Ausnahmealbum, mit welchem Hiatt für die nächsten dreißig Jahre seinen Ruf als erwachsenster aller Song-Writer im Rock festigte.

Hier passte Alles: Faszinierende Rocker und Balladen über die auch ernsten Themen des Lebens. Hiatt wird nie kitschig (allenfalls bei der ironischen Ballade Weiterlesen

Van Halen siegt im Loudness-War

Das neue Album der wieder mit Sänger David Lee Roth vereinten Hardrocker von Van Halen ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man Musik durch schlechte Aufnahme und Mixdown völlig kaputt machen kann.

Van Halen: A Different Kind Of Truth

Die Band rackert sich ab. Die Musik (was man hören kann) ist wirklich inspiriert. Wir hören einen unglaublich interessanten Sänger, einen völlig ausgefuchsten Gitarristen, einen ziemlich wilden Drummer und mit Wolfgang VH (der Sohn des Edward) einen dynamischen, vitalen Bassisten. Aber leider hören wir nichts. Nichts. Das gesamte Album ist zusammengematscht und komprimiert in einem Maße, dass man es auf einem 5 cm kleinen Kofferradio- Weiterlesen

The Well (and what’s behind)

Jennifer Warnes (mit Jackson Browne); www.jenniferwarnes.com

Manchmal fragt man sich schon, wie das kommt. Eine der gefragtesten Session-Sängerinnen der Welt, mehrfach mit Grammys und Oscars ausgezeichnet, macht nach fast 10 Jahren mal wieder ein eigenes Album und nennt das “The Well” – wie wir aus diesem Artikel erfahren, aus gutem Grund.

Jennifer Warnes hatte tiefe persönliche Bindungen nach Austin/Texas. Sie fand dort (Jahre nachdem sie wieder nach Los Angeles zurück gezogen war) zu Doyle Bramhall, einer lokalen Musikerlegende, einem langjährigen Freund und Songschreiber der anderen texanischen Legende Stevie Ray Vaughn. Und nachdem sie festgestellt hatten, dass ihre Stimmen zu unterschiedlich sind (Warnes raucht und trinkt nicht, dafür aber Bramhall):

Her voice shimmered with sunlight, and he was all about barlight. “Yet we liked each other,” says Warnes, “because he had what I could never have and I had what he could never have.”

entstand ein gemeinsames Projekt: Man traf sich am “Jacob’s Well” einem größeren Quellsee bei Austin und beschloss, die Talente zusammen zu werfen. Und heraus kam (nach Lösung von einem lästig gewordenen Plattenvertrag) das großartige Album

The Well

Rating: ★★★★☆ DR = 11

dessen Höhepunkte der Titelsong von Warnes/Bramhall sowie das ergreifende Duett “You Don’t Know Me” mit Doyle Bramhall sind. Aus dem schlichten Kalkül “Engelsstimme vs. Bar-Voice” wird hier großes Ohrenkino. Und weil dieses Album auch sonst einige Überraschungen bietet (zum Beispiel ein wild arrangiertes Protestlied von und mit Arlo Guthrie), lohnt sich der Kauf als remastered 24 k Gold-Edition (erhältlich bei verschiedenen deutschen Spezialversandhäusern für ca. 35 EUR). Denn eine audiophile Perle ist dieses Album von Warnes ohnehin.

Doris Day singt nicht ganz jugendfrei

Doris Day ist den meisten Deutschen nur bekannt aus einer Vielzahl zum Teil obskurer und teilweise sehr zeitgeistiger Filme und Komödien der 50er und 60er Jahre. Mit und ohne Rock Hudson. Mit und ohne Alfred Hitchcock, mit dem Sie (in Ihrem ersten filmischen Auslandseinsatz) den berühmten Film “Der Mann der zu viel wusste (1957)” drehte. Dort sang sie ihren ganz großen Hit “Que sera, sera” und dieser wurde zu ihrem musikalischen Markenzeichen. Mit dieser wie betoniert sitzenden Blondfrisur, dem freundlichen Gesicht und diesem clean look ist sie gleichermaßen Ikone der 50er Jahre und Inbegriff der sauberen amerikanischen Hausfrau – patent, freundlich und sauber. Doris Day ist aber auch die ausgefuchste Sängerin mit der nicht mehr jugendfreien Sahnestimme – technisch perfekt, in allen Stimmlagen zu Hause, ausdrucksvoll und nur scheinbar naiv macht sie aus dem banalsten Broadway-Schlager eine stimmliche Verführung des Hörers – scheinbar naiv, bezaubernd sexy und technisch unauffällig brillant. Eine Jazz- und Popsängerin, von deren schöner Stimme und brillanter Interpretation der Hörer heute noch verzaubert sein kann.

Was kaum jemand weiß: Die Filmkarriere war (nach einer kurzen, durch Autounfall im Teenageralter vorzeitig beendeten Tanzkarriere) bereits die zweite Karriere der DD. Zuvor war sie, die 1924 Geborene, bereits die berühmteste und am meisten verkaufte amerikanische Sängerin der Nachkriegszeit. Und eine technisch wie künstlerisch beeindruckende Sängerin, die vor allem mit Jazzcombos und Big-Bands seit ihrem ersten Hit Weiterlesen

Das alte Westberlin

tumblr.westberlinSchlangen vor dem Schlussverkauf der 50er Jahre, Woolworth mit Brandwand an der Müllerstraße, die Mauer. Auf diesem Fotoblog gibt es viel zu entdecken aus dem alten Westberlin.

Auch die alte kleine Eislaufbahn im Europa-Center (ein sehr sozialer Ort) kommt zu Ehren. Der Blick auf “Holst am Zoo” (die Bierschwemme des damaligen Hertha-Präsidenten) noch ganz ohne Otto Rehagel.

Das wäre direkt eine Ausstellung wert.

Joan Armatrading und die Top-Mucker

Für dieses Album What's Inside gab die neue Plattenfirma von Joan Armatrading richtig viel Geld aus. Die Elite der Sessionmusiker (Darryl Jones, Tony Levin , Manu Katche, Alex Acuna <dr, perc>), das Kronos Quartett im genialischen “Shapes And Sizes”, Keyboarder wie Greg Phillinganes und Benmont Tench, Monster-Stimmen wie Terry Evans und Willie Green jr. für die dichten Background-Vocals – hier fehlt nichts zu einem auch aufnahmetechnisch gelungenen Hörerlebnis. Arrangements und Instrumentierung sind (einschließlich der häufiger zu hörenden Streicher) abwechslungsreich und gelungen. Joan Armatrading lässt ihr interessantes Gitarrenspiel immer wieder aufblitzen.

Und doch wirkt das Album etwas beliebig. Alle denkbaren Stile werden abgegrast. Und wer länger zuhört, hat den Effekt eines überproduzierten Erstlingsalbums. Viel reingepackt und es fehlt die große Linie. Manchmal auch zu spektakulär aufgenommen – überall close-mike und starke Kompression, die Rutscher auf der Gitarre sind lauter als die Akkorde. Trotzdem: Wegen der fantastischen Musiker und der interessanten Arrangements mit einer großen Frontfrau ein lohnendes Album.

Dynamic Range: 9 (viel zu wenig für so gute Musiker)

Anspieltipps: Merchant of Love, Shapes and Sizes, Recommend my love (wenn Willie Greene Jr. mit seiner Stimme die Wände zum Wackeln bringt), Can’t Stop Loving You (Memphis Horns sind immer nett), Shape Of A Pony (der fette Bass von Tony Levin und entspanntes Trommeln von Manu Katche zum Kinderlied)

Rating: ★★★½☆

Postfeudal mit 300 Nullen

Am 24.01.1712 wurde Friedrich der Große geboren. Ein bedeutender Jahrestag in einer Gesellschaft, die sich postfeudal benimmt, adlige Gel-Bubis hofiert und ein Stadtschloss in der Berliner Mitte braucht, um sich gut zu fühlen. Die Akazien-Buchhandlung hat ein ganzes Fenster mit Friedrichs dekoriert.

Mein Freund Heinz hat da ein Foto gemacht:

Friedrich mit der Null (Foto: Heinz Kleemann)

 

A Word About Jennifer Warnes

Nachdem ich gestern und heute zum wiederholten Male über das Album Hunter von Jennifer Warnes gestolpert bin – und wieder fasziniert, kam das Deja Vu: Mein bescheidenes Ich hatte bereits vor etwa 6 Monaten mal was Treffendes über diese Sängerin und deren wunderbare Stimme gesagt.

Da bleibt nur noch: Hören!

Patty Griffin – Living with Ghosts (1996)

“Leben mit Geistern” ist das mittlerweile 15 Jahre alte Debütalbum der amerikanischen Sängerin Patty Griffin. Gänsehaut: Eigenwillig, akustisch, unsingbar gesungen und zutiefst beeindruckend.

Living With Ghosts

Patty Griffin ist die eigenwillige Liedermacherin mit der ganz besonderen Altstimme. Sie überzeugte mit ihrem Demo zu diesem Erstling einen findigen A&R Manager, der ihr sofort einen Plattenvertrag bei A&M verschaffte und das Album unverändert auf den Markt brachte – nur Stimme und Gesang, Gitarre und eigene Begleitung. Heraus kommt ein eigenwilliges, sehr ausdrucksstarkes Album mit viel Substanz. Griffin hat eine erwachsene, nicht wirklich schön klingende Altstimme und zieht beim Singen alle Register, was ihre Interpretationen einerseits sehr ausdrucksvoll macht und andererseits weit von jedem Schönklang und Hitparadengesang entfernt ist. Sie raunt, flüstert, kreischt – das klingt etwas nach den wilderen Interpretationen von Rickie Lee Jones oder Tori Amos.

Die ausnahmslos selbst geschriebenen Songs sind aufregend im besten Sinne. “Let Him Fly” wurde mit großem Erfolg von den Dixie Chicks gecovert und ist ein unglaublich interessanter Trennungs-Song (und großes Drama). “You Never Get What You Want” oder “Poor Man’s House” befassen sich mit ebenso ernsten Themen. Es wird selten heiter, nie kitschig und auch die Texte, erst recht die einschneidenden Interpretationen von Patty Griffin erreichen die tiefsten Tiefen des musikalischen Ausdrucks. Hitparadentauglich ist dieses Album natürlich nicht, Country ist es auch nicht und passt in keine Schublade. Und gerade deshalb wird man es (wer solche schwerblütigen Interpretationen hören mag) wie etwa “Blood On The Tracks” von Bob Dylan vermutlich noch in 20 Jahren hören.