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Joan Armatrading und die Top-Mucker 0
Für dieses Album What's Inside gab die neue Plattenfirma von Joan Armatrading richtig viel Geld aus. Die Elite der Sessionmusiker (Darryl Jones, Tony Levin , Manu Katche, Alex Acuna <dr, perc>), das Kronos Quartett im genialischen “Shapes And Sizes”, Keyboarder wie Greg Phillinganes und Benmont Tench, Monster-Stimmen wie Terry Evans und Willie Green jr. für die dichten Background-Vocals – hier fehlt nichts zu einem auch aufnahmetechnisch gelungenen Hörerlebnis. Arrangements und Instrumentierung sind (einschließlich der häufiger zu hörenden Streicher) abwechslungsreich und gelungen. Joan Armatrading lässt ihr interessantes Gitarrenspiel immer wieder aufblitzen.
Und doch wirkt das Album etwas beliebig. Alle denkbaren Stile werden abgegrast. Und wer länger zuhört, hat den Effekt eines überproduzierten Erstlingsalbums. Viel reingepackt und es fehlt die große Linie. Manchmal auch zu spektakulär aufgenommen – überall close-mike und starke Kompression, die Rutscher auf der Gitarre sind lauter als die Akkorde. Trotzdem: Wegen der fantastischen Musiker und der interessanten Arrangements mit einer großen Frontfrau ein lohnendes Album.
Dynamic Range: 9 (viel zu wenig für so gute Musiker)
Anspieltipps: Merchant of Love, Shapes and Sizes, Recommend my love (wenn Willie Greene Jr. mit seiner Stimme die Wände zum Wackeln bringt), Can’t Stop Loving You (Memphis Horns sind immer nett), Shape Of A Pony (der fette Bass von Tony Levin und entspanntes Trommeln von Manu Katche zum Kinderlied)
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Patty Griffin – Living with Ghosts (1996) 0
“Leben mit Geistern” ist das mittlerweile 15 Jahre alte Debütalbum der amerikanischen Sängerin Patty Griffin. Gänsehaut: Eigenwillig, akustisch, unsingbar gesungen und zutiefst beeindruckend.
Living With GhostsPatty Griffin ist die eigenwillige Liedermacherin mit der ganz besonderen Altstimme. Sie überzeugte mit ihrem Demo zu diesem Erstling einen findigen A&R Manager, der ihr sofort einen Plattenvertrag bei A&M verschaffte und das Album unverändert auf den Markt brachte – nur Stimme und Gesang, Gitarre und eigene Begleitung. Heraus kommt ein eigenwilliges, sehr ausdrucksstarkes Album mit viel Substanz. Griffin hat eine erwachsene, nicht wirklich schön klingende Altstimme und zieht beim Singen alle Register, was ihre Interpretationen einerseits sehr ausdrucksvoll macht und andererseits weit von jedem Schönklang und Hitparadengesang entfernt ist. Sie raunt, flüstert, kreischt – das klingt etwas nach den wilderen Interpretationen von Rickie Lee Jones oder Tori Amos.
Die ausnahmslos selbst geschriebenen Songs sind aufregend im besten Sinne. “Let Him Fly” wurde mit großem Erfolg von den Dixie Chicks gecovert und ist ein unglaublich interessanter Trennungs-Song (und großes Drama). “You Never Get What You Want” oder “Poor Man’s House” befassen sich mit ebenso ernsten Themen. Es wird selten heiter, nie kitschig und auch die Texte, erst recht die einschneidenden Interpretationen von Patty Griffin erreichen die tiefsten Tiefen des musikalischen Ausdrucks. Hitparadentauglich ist dieses Album natürlich nicht, Country ist es auch nicht und passt in keine Schublade. Und gerade deshalb wird man es (wer solche schwerblütigen Interpretationen hören mag) wie etwa “Blood On The Tracks” von Bob Dylan vermutlich noch in 20 Jahren hören.
Joni Mitchell’s Blue in Gold 0
Ein guter Freund hat mir das Album von Joni Mitchell “Blue” (1971) geschenkt. Aber die ultimative, die Gold-CD – direkt abgenommen vom Masterband, das der damalige Toningenieur1 schon als gelungene Aufnahme aus der frühen Transistor-Ära bezeichnete. Recht hatte er.
Wie großartig die Musik ist, wusste ich schon immer und habe das schon mal bei Amazon.de beschrieben. Aber was für ein perfekter Sound. Ich habe dieses Album zig mal gehört, von der griechischen Strandtaverne (vom Cassettenrekorder) über Vinyl (mit und ohne Hifi) bis hin zur “normalen” CD von meiner Anlage. Es hörte sich immer gut, ausgewogen und musikalisch an, selbst die teilweise fledermausartig hohen Gesänge Joni’s. Warm klingende (!) Stahlsaiten, der harte Anschlag des Dulcimers, harmonische Bässe, das dumpfe Plockern der Percussions – “All I Want”, der Opener ist musikalisch und aufnahmetechnisch kaum zu übertreffen. Und die nicht wenigen Menschen, welche Mitchell’s Stimme gerade auf diesem Album unangenehm finden, sollen sich einfach von einem guten Freund diese Pressung schenken lassen oder das alte Vinyl aus dem Schrank holen. Gute Freunde muss man haben
Und wer sich fragen sollte, was ein Dulcimer ist, sieht das hier: Carey ist der dritte Titel von diesem Ausnahmealbum.
- Steve Hoffman [↩]
Chucho’s Steps – Jazz the Cuban Way 0
Durch Zufall bin ich auf das großartige Album
Chucho S Steps
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gestoßen. Der 70jährige Valdes hat wie viele berühmte Musiker seines Landes Jazz gelernt, als Kuba das amerikanische Vergnügungsviertel war und es viel Arbeit für Musiker gab. Seine technische Brillianz wird mit Oscar Peterson verglichen. Aber anders als jener lässt Chucho Luft und Platz zwischen den Noten – der späte Miles Davis lässt zum Beispiel in “Julian” grüßen.
Sein Spiel ist funky, komplex und originell. Er integriert die vielfältigen Rhythmen Kubas in modernen Jazz. Er spielt überragend funky etwa in seiner Hommage an die Marsalis Family “New Orleans” und zerhackt/rekonstruiert Joe Zawinul’s Hit “Birdland” so gekonnt, dass sich die oft lustlos abgenudelten Themen dieses wunderbaren Titels sich ganz langsam in das Gehör der Zuhörer winden. Es bleibt dabei immer entspannt und virtuos und … kurzweilig.
Weltmusik und Crossover im besten Sinne – große Musik!
Bestmögliche Begleitung trifft Langsamkeit 0
Dies ist mit Sicherheit ein schönes Stück Musik schon wegen der grandiosen Begleitung. Als Folksongs begeistern mich die Interpretationen von Gillian Welch
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jedoch nicht.
Hoch gelobt in der Presse reißt mich bei diesem Album eigentlich nur das perfekte Zusammenspiel von akustischer Gitarrenbegleitung und Gesang vom Hocker. David Rawlings begleitet so unaufgeregt, seine Tempi sind so fließend und seine Übergänge so Read more »
Mit Bluegrass zur Unsterblichkeit 0
Ein ehrgeiziges Projekt verfolgte Steve Earle hier: Mit einem einzigen Bluegrass Album zur musikalischen Unsterblichkeit. Bluegrass ist überschaubar und der Versuch gelang mit
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1999 und mit ausschließlich eigenen Songs ohne Probleme. Mit der Del McCoury Band und so grandiosen Musikern wie Sam Bush (Fiddle) lässt es Earle von Anfang bis Ende krachen und schmalzen. Rau, erdig, manchmal richtig roh wie beim stampfenden Irish-Folk von
Half the Perfect World 0
… ist der Titel des immerhin 4. Albums von Madeleine Peyroux. Und wie die Sängerin auf dem Cover (Blick in die Ferne, die klassische Pose der Melancholie) erscheinen auch die Titel. Meist langsam, immer leise und bis auf eine fette Orgel akustisch begleitet singt Peyroux Material von Leonard Cohen (einem anderen Experten für Melancholie), Chaplin und das wunderbare “River” von Joni Mitchell zusammen mit K.D. Lang in einer Version, die so langsam, so verträumt wirkt wie ein ganz langsamer blauer Alptraum.
Man mag das langweilig oder zu verhalten finden. Ich jedenfalls bewundere den Read more »
Oscar Peterson macht Spaß 0
Immer noch Swingtime, aber heute im Trio mit Spaß:
Oscar Peterson war sicherlich einer der fingerfertigsten und technisch brilliantesten Jazzpianisten aller Zeiten. Viele Noten und immer an der richtigen Stelle. Er hat unglaublich viel aufgenommen und hier ist eins seiner besten Alben:
You run your mouth (and i run my business) 0
…. brother. Herzlicher als in diesem uralten Swing-Titel können Brüder kaum miteinander umgehen. Joe Jackson hat auf seinem immer wieder schönen Album
mit einer kernigen Band und vielen Bläsern den Swing der 40er Jahre wieder auferstehen lassen. Wer Swing für eine langweilige Sache hält, wird hier eines Besseren belehrt:
Wilder Swing-Punk und sehr unterhaltsam: Rasende, komplizierte Bläsersätze (mit auch exotischen Bläsern wie Bassklarinette, Tuba, French Horn), witziger Text, schnelles Tempo und damit ganz im Stil der 40er Jahre, wenn es denn damals Punker gegeben hätte.
Fast jeder Song hat Ohrwurmqualitäten. Es handelt sich um Standards, wie etwas das viel gespielte “Tuxedo Junction”, aber die Interpretation ist außergewöhnlich. Die Bläser spielen in rasendem Tempo um die Wette, teilweise nur noch von der sehr präzisen Rhythmusgruppe um Graham Maby zusammen gehalten. Und dadurch kommt nie die gepflegte Langeweile auf wie bei vielen genretypischen Aufnahmen aus dem Swingbereich. Robby Williams und alle Möchtegern-Crooner drehen sich im Grabe um, wenn sie JJ schmalzen, scatten und croonen hören. Toll sowohl für Pop, als auch für Jazz-Freunde. Und ein aufmunternder Partykracher sowieso.
Steve Earle – Sidetracks (2002) 0
Ein Flickenteppich mit vielen Perlen ist diese Sammlung 6 eigener und 7 fremder Songs, auf der Earle Material verwertet, welches sich in zehn Jahren Arbeit angesammelt hatte:
Da haben wir krachenden Irish Folk wie bei “Dominick St.” – so swingend und akustisch wie direkt von der grünen Insel. Es kommt Filmmusik wie das kernige Stück “Time Has Come Today” mit einem Gastauftritt von Sheryl Crow, nicht verwendete Versionen anderer Alben (wie die beklemmende Ballade “Ellis Unit One”, wo Earle in Begleitung der Freshfield Four so beklemmend vom Gefängnis singt, als säße er immer noch drin) – das Stück war “über” vom großartigen Album “I Feel Alright” und Coverversionen vom Feinsten. Ob krachender Rock wie bei “Breed” von Nirvana oder in “Time Has Come Today”; ob exzentrischer Akustik-Rock wie bei “Creepy Jackalope Eye” – Earle findet immer den richtigen Stil, die richtige musikalische Sprache für jedes Material. Kein Wunder, wenn seine Produktionen etwa für Lucinda William für deren Grammy Winner “Car Wheels On A Gravel Road” (1998) so rund und stilsicher sind.
Wie Earle beispielsweise “Willin”, die Truckerhymne des großen Lowell George erdet und sich knurrend aneignet und damit auch vom leichten Schmalz der Originalversion befreit. Oder “Johnny Too Bad”, ein unglaublich schwerer Reggae, der klingt, als wäre halb Texas im jamaikanischen Roots-Reggae versackt. Oder “My Uncle” von den Flying Burrito Brothers in einer Live-Version – da werden die Kriegsdienstverweigerer im Bluegrass-Stil besungen. Zuletzt wringt Earle aus “My Back Pages” von Bob Dylan jedes Stückchen Text aus dieser moralischen Ballade und eignet sie sich buchstäblich an – obwohl praktisch im Original-Arrangement immer auf seine Art.
Immer auf seine Art – ein gelungenes Album mit Sidetracks, die bei anderen Künstler selten im Verlauf einer ganzen Plattekarriere zusammen kommen. Eine der lohnensten Sammlungen von “B-Sides”, die ich kenne.
The Roches – Nurds (1979) 0
Drei wunderbar singende Nervensägen
Mit ihrem zweiten Album Nurds reihen sich die drei singenden Schwestern 1979 in den Zeitgeist der feministisch, manchmal auch schräg singenden Gruppen dieser Zeit ein. Wilde Wechsel zwischen betörendem Schön-Gesang und schrägen Dissonanzen und die humorvollen, manchmal bitteren Texte lassen durchweg Spaß und Freude beim Hören aufkommen. Da geht es um die “Nurds” ebenso wie um “Boat People” und die “Feminine Position” – immer mit einem leichten Grinsen und sehr kunstvoll gesungen.
Da die Drei exzellente Harmonie-Sängerinnen sind und interessante Stimmen haben, das Album sehr abwechslungsreich ist machen diese Songs auch heute noch viel Freude.
Asus 1101HA (Windows 7 Home Premium) 0
Von meinem neuen Netbook gibt es heute einen Langzeittest. Ich habe es, seit es vor 2 Monaten herauskam. Schon etwas länger gab es die XP-Version des 1101HA, die sich jedoch in einigen Punkten von der aktuellen unterscheidet
Unterschiede 1101HA Win7 <-> 1101HA XP
Neben den bekannten Unterschieden zwischen den beiden Betriebssystemen hat sich auch unter der Haube des 1101HA einiges getan. Offensichtlich hat Asus sich überlegt was der Kunde will und worauf er verzichten kann und folgendes geändert: Read more »
Lowell George – Thanks I’ll Eat It Here (1977) 0
Der große Bär mit dem einen Album für die Insel
Lowell George, der vielseitig begabte und interessierte Sänger mit der schönen weichen Stimme und dem guten Geschmack für alle skurrilen Spielarten der amerikanischen Musik hat hier sein Album für die Insel gezimmert. Kurz vor seinem viel zu frühen Tod schnürte er einen bunten Strauß interessanter und zum Teil sogar abseitiger Songs: “Easy Money” von Rickie Lee Jones (die Lowell mit entdeckt hatte) in einer treibenden Version mit Bläsern – weniger versponnen und verrucht als Jones auf ihrem Debütalbum. Mexikanische Klänge im romantischen “Cheek to Cheek”, eine raffinierte Version von “Can’t Stand The Rain” – trickreiche Percussions und viel weniger abgehobelt klingt das als bei Tina Turner und Cassandra Wilson. Vaudeville in “Himmler’s Ring” – warum nicht? Die Andrews Sisters und die Swing-Ära lassen grüßen. So vielseitig klingt George, ohne sich jemals anzubiedern. Feiner Bläsersatz hier auch.
Und romantisch klingt Lowell bis zum Anschlag in seinen Balladen; “2 Million Things” und “Find A River” sind wunderschöne Torch-Songs, unsentimental und gefühlvoll. Nicht zu (s)toppen – der ultimative Crooner des Rock schwingt hier das Zepter. Und was bei seiner Band Little Feat manchmal doch zu sehr nach Jazz-Rock klang, wird hier auf einmal natürliche, originelle Musik. Vergleiche nur die “Two Trains” von George mit den zahlreichen Einspielungen der Feats. Hier klingt die Musik, dort ist es nur ein vertrackter Song gespielt von einer guten Band. Ebenso der witzige Opener “What Do You Want The Girl To Do” – nicht nur muss diese Frage einfach gestellt werden. Es ist auch ein Song, dessen wilde Synkopen und trickreichen Harmonien überhaupt nicht auffallen, weil George die ganze Musik locker zusammen hält. Dieses fantastische Album schließt mit einem gefühlvollen Duett. Hammermäßige Musik, feinste Drums von Jeff Porcaro und ein exzellenter Sound runden dieses Album ab.
Was soll ich sagen – viel zu früh ging er dahin und hat uns nur ein Album für die Insel hinterlassen, dessen Perlen auch in 10 Jahren noch glänzen werden.
Holly Cole – Baby It’s Cold Outside (2001) 1
Chanson, Jazz, Kunst und trotzdem Weihnachtslieder
Jede/r Musiker/in träumt von einem Weihnachtshit, der sich millionenfach verkauft und mindestens 10 Jahre lang im Dezember in der ganzen Welt gespielt wird. Tantiemen ohne Ende, eine Art Weihnachtsgeld für aufführende Künstler. Doch meist geht es total daneben – ob Cover oder eigene Komposition. So bemüht und kitschig wie bei Diana Krall wird es meist,
langweilig – unoriginell, sentimental und das grüne Kleid auf dem Cover reißt es nicht im Mindesten raus.
Anders dagegen Holly Cole. Nicht nur kommt das Grün auf dem Cover wesentlich frischer. Auch die Zutaten sind origineller gemixt.
Holly Cole kann gut singen. Und hat auch ein ganz feines Gespür für die Interpretation fremder Songs, die sie im Grenzbereich zwischen Jazz, Pop und Chanson zu ihren Eigenen macht. Sie zeigt das hier an Weihnachtsliedern, von denen jedenfalls ich vorher kein einziges kannte.
Es ist abwechslungsreich geworden: Einige unkitschige Orchesterwerke (feine Arrangements des langjährigen Pianisten Aaron Davis) und eine ganz überlegte, dem jeweiligen Song angemessene Interpretation sorgen für musikalisches Wohlbehagen mit Weihnachts-Appeal.
Herausragend das atemlos, fiebrige Sleigh Ride nur begleitet von dem langjährigen Bassisten David Piltch. Rührender Country im Jazz-Gewand in Merle Haggard’s “If We Can Make It Through December” und großes Duett im Titelsong. Für anspruchsvolle Musikhörer das ein tolles Weihnachts-Album. Und immer ein gutes Geschenk – wenn schon Weihnachten, dann auf diese Art “tongue in cheek” und abwechslungsreich.
Lyle Lovett – Natural Forces (2009) 2
Covers, Kunkel und wenig Eigenes. Das neue Album von Lyle Lovett
Lyle Lovett hat zu diesem Album nur etwa die Hälfte der 11 Songs selbst oder als Co-Autor beigesteuert. Seine eigenen Stücke wie der Titel-Track oder die musikalisch krachende und textlich witzige Nummer “Pantry” oder auch der vertrackt-moderne Swing von Farmer Brown mit seinen vielen Tempo- und Rhythmuswechseln gefallen mir etwas besser als die Coverversionen von Townes van Zandt, Elskes und Ball, die doch mehr im Modern-Country stehen und mir im Text oft viel zu pathetisch daher kommen.
Was dieses Album gut macht, ist vor allem die Musik: Mitreißend, abwechslungsreich und gekonnt bauen der langjährige Drummer Lovetts Russ Kunkel und Victor Krauss (Bruder von Bluegrass-Star Alison Krauss) mit seinem abgrundtiefen, rollenden und orgelnden Kontrabass auch die kompliziertesten Grooves auf. Einsätze und Tempowechsel wie von einem anderen Stern – treibend, filigran und abwechslungsreich. Pianist Matt Rollings markiert mit seinen typischen Stakkato-Figuren und seiner rollenden Begleitung das Gerüst, auf dem sich Lovett mit seiner minimalistisch-gekonnten Akustikgitarre, Dean Parks sehr geschmackvolle E-Gitarrensounds sowie Stuart Duncan mit seiner ausdrucksvollen Geige tummeln. Duncans Violinspiel ist so tragend und melodiös, dass Sam Bush -selbst ein Superstar mit der Geige- auf diesem Album ausschließlich Mandoline spielt. Und das kommt gut, denn Bush ist mit seinem präzisen Spiel und seinem Rock-Feeling auf der Mandoline eine echte Bereicherung für jede akustische Band. Dies ist eine der besten vorwiegend akustischen Bands derzeit.
Und der Sound dieses Albums ist eine absolute Perle – wie macht Lovett das bloß? Jedes seiner Alben klingt besser als das andere: Durchsichtig das Klangbild, fein ziseliert die Saiteninstrumente, grollend der Bass. Und das Schlagzeug von Russ Kunkel klingt, als würde es im heimischen Wohnzimmer stehen. Das hört man die Becken schwingen und der sanfte Punch der Bassdrum bewegt hörbar ein Trommelfell und nicht einen Sampler. So macht überwiegend akustische Musik richtig Spaß. Und vielleicht gibt es das nächste Mal ja wieder ein paar mehr der lakonischen Songs von Lovett selbst.

