If you Go To Hammond – 2011 0
Willy is gone 0
Willy DeVille hat mich immer wieder fasziniert. Das Pathos, die Originalität und die Tiefe – seit dem Erstling seiner früheren Band Mink DeVille finden seine Titel immer wieder mein Ohr. Und heute beim Bügeln fasziniert eines seiner letzten Alben
mich so, dass die Wäsche liegen bleibt. Allein schon der Titel “Muddy Waters rose…” – das ist wirklich Post-Blues und PostvonAllem. Und kurz danach “Slave To Love”: Von Schmalzlocke Brian Ferry hätte ich das nie hören wollen, aber hier ist es verzweifelt und düster. Verschleppte südamerikanische Rhythmen, trashige Schepper-Drums und knarzige Vocals – aber Willy lebt nicht mehr. Er starb im August 2009.
Oscar Peterson macht Spaß 0
Immer noch Swingtime, aber heute im Trio mit Spaß:
Oscar Peterson war sicherlich einer der fingerfertigsten und technisch brilliantesten Jazzpianisten aller Zeiten. Viele Noten und immer an der richtigen Stelle. Er hat unglaublich viel aufgenommen und hier ist eins seiner besten Alben:
You run your mouth (and i run my business) 0
…. brother. Herzlicher als in diesem uralten Swing-Titel können Brüder kaum miteinander umgehen. Joe Jackson hat auf seinem immer wieder schönen Album
mit einer kernigen Band und vielen Bläsern den Swing der 40er Jahre wieder auferstehen lassen. Wer Swing für eine langweilige Sache hält, wird hier eines Besseren belehrt:
Wilder Swing-Punk und sehr unterhaltsam: Rasende, komplizierte Bläsersätze (mit auch exotischen Bläsern wie Bassklarinette, Tuba, French Horn), witziger Text, schnelles Tempo und damit ganz im Stil der 40er Jahre, wenn es denn damals Punker gegeben hätte.
Fast jeder Song hat Ohrwurmqualitäten. Es handelt sich um Standards, wie etwas das viel gespielte “Tuxedo Junction”, aber die Interpretation ist außergewöhnlich. Die Bläser spielen in rasendem Tempo um die Wette, teilweise nur noch von der sehr präzisen Rhythmusgruppe um Graham Maby zusammen gehalten. Und dadurch kommt nie die gepflegte Langeweile auf wie bei vielen genretypischen Aufnahmen aus dem Swingbereich. Robby Williams und alle Möchtegern-Crooner drehen sich im Grabe um, wenn sie JJ schmalzen, scatten und croonen hören. Toll sowohl für Pop, als auch für Jazz-Freunde. Und ein aufmunternder Partykracher sowieso.
Ry Cooder lebt ohne Auto 0
Ry Cooder ist vielleicht -abgesehen von Eddie van Halen- der einflussreichste amerikanische Gitarrist der letzten 40 Jahre.Einflussreich, weil er das Blues-Revival mit seinen zahllosen Versionen uralter Titel des amerikanischen Songbooks einleitete. Einflussreich, weil er als Sessiongitarrist viele großartige Produktionen (unter anderem der Rolling Stones) prägte. Weil er im Film “Crossroads” für einen glaubwürdigen Soundtrack sorgte, der direkt aus dem Delta zu kommen schien. Weil er mit “Little Village” die beste “Supergroup” der 80er formte. Und mit “Buena Vista” Social Club die Welt wieder mal darauf aufmerksam machte, dass es außerhalb der internationalen Hitparaden auch noch andere Musikstile und Musiker gibt, welche die Seele zum Schwingen bringen. Read more »
Norah Jones & Bonnie Raitt – Tennessee Waltz 0
Norah Jones ist eigen: Multiple Grammy-Gewinnerin, Millionen verkaufte Platten und <hmmm….> ihre eigenen Alben für mich immer etwas sehr kommerziell. Aber ich habe Jones noch nie schlecht auf der Bühne oder in einem Duett gehört. Ob mit der Dirty Dozen Brass Band (Medicated Magic – Ruler Of My Heart), mit Bonnie Raitt auf deren Live-Album (I Don’t Want Anything Change) oder nur mit ihrer eigenen Band: Jones ist immer bei sich, ziemlich sexy und sehr eigen.
Weiß nicht, warum: Die Stimme? Dieses gemütlich schunkelnde Wurlitzer-Piano? Oder einfach nur der fehlende Schmusefaktor der eigenen Alben. Selbst mit Dolly Parton und dem Titel “Creepin’ In” wurde es toll. Genug geredet, mit Bonnie Rait (in Atlantic City) war es ganz gut:
Man könnte auch sagen: Jones lohnt live immer.
Goodbye – Earle & Harris 0
Heute ist es so kalt, da kommen die Balladen wieder aus der Ecke. Und eine der schönsten Balladen ist “Goodbye” von Steve Earle, grandios im Duett mit Emmylou Harris – allein schon diese angehauchten Silben:
Und ein schönes Paar ist das doch auch auf der Bühne – oder?
Steve Earle – Sidetracks (2002) 0
Ein Flickenteppich mit vielen Perlen ist diese Sammlung 6 eigener und 7 fremder Songs, auf der Earle Material verwertet, welches sich in zehn Jahren Arbeit angesammelt hatte:
Da haben wir krachenden Irish Folk wie bei “Dominick St.” – so swingend und akustisch wie direkt von der grünen Insel. Es kommt Filmmusik wie das kernige Stück “Time Has Come Today” mit einem Gastauftritt von Sheryl Crow, nicht verwendete Versionen anderer Alben (wie die beklemmende Ballade “Ellis Unit One”, wo Earle in Begleitung der Freshfield Four so beklemmend vom Gefängnis singt, als säße er immer noch drin) – das Stück war “über” vom großartigen Album “I Feel Alright” und Coverversionen vom Feinsten. Ob krachender Rock wie bei “Breed” von Nirvana oder in “Time Has Come Today”; ob exzentrischer Akustik-Rock wie bei “Creepy Jackalope Eye” – Earle findet immer den richtigen Stil, die richtige musikalische Sprache für jedes Material. Kein Wunder, wenn seine Produktionen etwa für Lucinda William für deren Grammy Winner “Car Wheels On A Gravel Road” (1998) so rund und stilsicher sind.
Wie Earle beispielsweise “Willin”, die Truckerhymne des großen Lowell George erdet und sich knurrend aneignet und damit auch vom leichten Schmalz der Originalversion befreit. Oder “Johnny Too Bad”, ein unglaublich schwerer Reggae, der klingt, als wäre halb Texas im jamaikanischen Roots-Reggae versackt. Oder “My Uncle” von den Flying Burrito Brothers in einer Live-Version – da werden die Kriegsdienstverweigerer im Bluegrass-Stil besungen. Zuletzt wringt Earle aus “My Back Pages” von Bob Dylan jedes Stückchen Text aus dieser moralischen Ballade und eignet sie sich buchstäblich an – obwohl praktisch im Original-Arrangement immer auf seine Art.
Immer auf seine Art – ein gelungenes Album mit Sidetracks, die bei anderen Künstler selten im Verlauf einer ganzen Plattekarriere zusammen kommen. Eine der lohnensten Sammlungen von “B-Sides”, die ich kenne.
Hodja Partytime 0
Richie Hayward is gone 0
Richard “Richie” Hayward, der langjährige Drummer von Little Feat und gefragte Session-Drummer, starb Mitte August an den Folgen von Leberkrebs. Hayward verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Canada, wo er kurz vor seinem Tod geheiratet hatte. Er wurde 64 Jahre alt und hatte keine Krankenversicherung.
Richard war und bleibt in meiner Erinnerung als der beste, der markanteste Rock-Drummer bis heute (der beste- nur deshalb, weil Jim Keltner auch sehr engagiert ist im Jazz und Country). Sein unverwechselbares und dynamisches Spiel mit einem felsenfesten, sehr “laid back” wirkenden Grundrhythmus und einem enorm treibenden, vorwärts drängenden, machmal fast nervös wirkenden Groove und Feeling ist unverwechselbar, einmalig und wurde von einem Rezensenten mal beschrieben:
Animating these visions was Richie Hayward’s inventively propulsive, behind-the-beat drumming, thrusting the music forward while leaning slightly backward – the rhythmic representation of an R. Crumb chararcter in motion.
Bud Scoppa in liner notes for the album
Waiting For Columbus (reissue 2002)
Richard spielte, wie man diesem bewegenden Artikel einer kanadischen Zeitung entnehmen kann, noch kurz vor seinem Tod.
Sein enorm kraftvolles, dynamisches Spiel wird erkennbar in den diversen Videos auf Youtube, die sein Solospiel demonstrieren.
The Roches – Nurds (1979) 0
Drei wunderbar singende Nervensägen
Mit ihrem zweiten Album Nurds reihen sich die drei singenden Schwestern 1979 in den Zeitgeist der feministisch, manchmal auch schräg singenden Gruppen dieser Zeit ein. Wilde Wechsel zwischen betörendem Schön-Gesang und schrägen Dissonanzen und die humorvollen, manchmal bitteren Texte lassen durchweg Spaß und Freude beim Hören aufkommen. Da geht es um die “Nurds” ebenso wie um “Boat People” und die “Feminine Position” – immer mit einem leichten Grinsen und sehr kunstvoll gesungen.
Da die Drei exzellente Harmonie-Sängerinnen sind und interessante Stimmen haben, das Album sehr abwechslungsreich ist machen diese Songs auch heute noch viel Freude.
Asus 1101HA (Windows 7 Home Premium) 0
Von meinem neuen Netbook gibt es heute einen Langzeittest. Ich habe es, seit es vor 2 Monaten herauskam. Schon etwas länger gab es die XP-Version des 1101HA, die sich jedoch in einigen Punkten von der aktuellen unterscheidet
Unterschiede 1101HA Win7 <-> 1101HA XP
Neben den bekannten Unterschieden zwischen den beiden Betriebssystemen hat sich auch unter der Haube des 1101HA einiges getan. Offensichtlich hat Asus sich überlegt was der Kunde will und worauf er verzichten kann und folgendes geändert: Read more »
The Roches still sing 0
Die Roches sind drei Schwestern, die zusammen schrägen und himmlisch schönen Folk singen (auch Weihnachtslieder und Allerlei). Sie kamen aus meinem musikalischen Langzeitgedächtnis hervor, weil gestern am Ostersamstag eine größere (nicht katholische-) Tischrunde einen Auftakt für ein Osteressen suchte. Hallelujah von Händel ist zwar keine Eigenkomposition der drei Schwestern aus New York, aber dafür eine richtig gelungene Coverversion. Für Euch habe ich aber den Hammond Song ausgesucht – vergehend im Abschied und auch sehr schön gecovert von Terry Hall und seiner damaligen Band Colourfield.
JJ Cale – To Tulsa and back (DVD) 0
Dicht dran an JJ on the road – das Leben, die Straße und der Rest
Dieser Dokumentarfilm folgt dem mittlerweile 65jährigen Gitarristen und Sänger JJ Cale auf einer Tour von Tulsa, Oklahoma durch die USA und zurück. Konzertmitschnitte, Aufnahmen aus dem Tourbus auf den langen Fahrten durch die zum Teil wunderbaren Landschaften der USA, lange Interviews mit Cale, den Bandmitgliedern und Eric Clapton vermitteln einen recht vollständigen Überblick über den musikalischen Werdegang, die Ups and Downs in Cales Karriere und zeigen auch, warum Cale so wichtig ist für die Entwicklung von Rock, Country und den benachbarten Musikstilen.
Hier erfährt man viel über Musik und Mensch: Wenn Cale in seiner fast ausgestorben wirkenden Heimatstadt Tulsa am Eisenbahnknoten steht und erzählt, wie er sein erstes Geld als Gitarrist einer Tanzkapelle im größten Ballroom der in den 50ern boomenden Stadt verdiente. Und dass vor allem Jazz und Swing seine musikalischen Anregungen sind. Wenn Eric Clapton entspannt zugibt, wie ein vorgeführter Sechstklässler mit JJ und seiner Band beim Crossroads-Festival 20 Minuten auf der Bühne einen Song gejammt zu haben, den er erst nach der ersten Gesangsstrophe als “After Midnight” erkannte. Und wenn man Clapton diese ratlose Verwirrung über den sehr experimentierfreudigen Musikstil von Cale’s Band auch im Konzermitschnitt deutlich ansieht. Wenn die Bandmitglieder (die zum Teil seit dreißig Jahren mit Cale regelmäßig zusammen spielen) und sogar der Busfahrer voller Liebe und Respekt über ihren JJ sprechen, der nie die Ruhe verliert und immer sehr entspannt und positiv mit seinen Mitmenschen und Kollegen umgeht. Wenn der Toningenieur berichtet, wie der technisch recht versierte Cale schon seit Jahrzehnten seine Aufnahmen selbst mischt und dabei mit seinem legendären Rhythmusgefühl und vielen kleinen Instrumentalparts einen einmalig dichten, treibenden (und selten kopierten) Sound erreicht.
Ein wirklich brillianter Sound und viele Konzertmitschnitte, die gekonnt übergeblendet werden – man merkt hier, das die fantastisch eingespielte Band ihr Repertoire exakt im gleichen Groove und Tempo spielt. Die Überblendungen sind mit geschlossenen Augen praktisch nicht zu merken. Beeindruckende “Solo-Auftritte” von Cale, der selbst begleitet kleine, wunderschön schlichte Instrumentals ebenso faszinierend bringt wie heftig groovende Up-Tempo Nummern. Und auch das Geheimnis des “laid-back” Musikstils von Cale wird etwas gelüftet: Bei den teilweise wild improvisierten Konzertmitschnitten wird deutlich, dass diese Band aus älteren Herrschaften mit der Attitüde einer swingenden Jazzband spielt – das Rhythmusgefühl liegt vor dem Schlag, das Schlagzeug swingt und Improvisation ist erwünscht. Nur die Harmonien, die Gitarrenriffs und der stoische Bass haben ihre Wurzeln im Country, Blues und Rock. Eine sehr attraktive Mischung von Musikstilen, entspannt serviert – das durch alle Altersschichten gemischte, stets begeistert mitgehende Publikum dankt es.


