Van Halen – Diver Down (1982)

Überragendes “Ausprobieralbum” der Van Halens, 17. Juni 2007

Rating: ★★★½☆

Auf den ersten Blick ist dieses Album ein Chaos: Ganze 31 Minuten kurz, nur 5 eigene Stücke der Band und ein breiter Mix von Musikstilen: Vaudeville, Stadion-Rock, sogar Bar-Jazz wird geboten.

Die Band zeigt ihre Stärken gleich im Opener, “Where Have All The Good Times Gone”, einem Ray Davies Cover: Kompakter Sound, brutal präzise Rhythmusarbeit, witziger Gesang im “Punk-Unisono” Stil und eine Gitarre vor dem Herren. Nach einer Speed-Rock Nummer “Hang ‘em High”, einem brillianten, musikalisch wie technisch beeindruckenden Solo “Cathedral” Van Halen’s, an dem Johann Sebastian Bach seine Freude gehabt hätte, kommt dann ein weiteres Highlight: “Secrets” ist ein Song mit pulsierenden Bässen, treibenden Drums und leisen feinen Power-Akkorden und klingt wie “Police” auf Hochglanz. Nach “Intruder”, einer genialischen Feedback-/Geräusch-Orgie kommt dann mit direkter Überleitung “Pretty Woman” von Roy Orbison in der Version, die wir immer hören wollten: Ganz kompakt, mit großartigen rhythmischen Verschiebungen. Bei “Dancin In The Street” wird (anders als in der sehr konventionellen Version von Jagger und Bowie) der gesamte Song von einem durch Delay wiederholten Gitarrenfigur zusammen gehalten – interessant.

Mit “Little Guitars”, eingeleitet durch ein etwas bemüht virtuoses Solo auf der Konzertgitarre, werden New-Wave Anleihen durch den Hardrock-Wolf gedreht. “Big Bad Bill..”, ist reiner Vaudeville-Jazz – ein packender Song von Bix Beiderbecke, entdeckt wahrscheinlich von dem kurz vorher erschienenen Album “Jazz” des großen Ry Cooder. Da beschränkt sich Eddie Van Halen ganz darauf, eine absolut bediente Rhythmusgitarre zu schlagen, so präzise und groovend wie ein 60jähriger Zigeunerjazzer. Und nicht ein einziges Gitarrensolo hier! Eine kleine Referenz an Cooder, dessen Gitarrenarbeit und Soli auf dem Original einfach überragend sind. David Lee Roth zeigt hier bereits, dass Vaudeville-Jazz sein Fach ist. “Happy Bug” ist ein VHtypischen Kracher. Klingt wie Allman-Brothers auf Speed. Und das Album schließt mit einer witzigen, gelungenen kleinen Acapella-Nummer im Barbershop-Stil. Van Halen ist eben auch eine absolut amerikanische Band und da gehört Barbershop auch mal dazu.

Van Halen wollten mit diesem Album ganz offensichtlich Experimente wagen Richtung Pop und Jazz und leiten damit über zu dem überragenden Album “1984″. Gelungen! Wenn musikalisches Ausprobieren so gekonnt und interessant daher kommt, bin ich gerne dabei.

Grateful Dead – The Very Best Of

Liebevolle “Best Of” – gelungenes Remastering

Es ist nicht jede/r ein “Dead Head”. Und die weniger harten Fans dieser zauberhaften Band finden hier eine schöne Zusammenstellung des umfangreichen Gesamtwerks. Anspieltip: “Franklin’s Tower” – einen heftigeren Groove wird auch der jüngere Musikhörer kaum so schnell wieder finden.

Hervorzuheben ist der durchsichtige und differenzierte Sound des Albums; das Remastering wurde offenbar sehr professionell gemacht. Druckvolle und durchhörbare Bässe, sauber gestaffelte Gitarren und schön räumlich gestaffeltes Schlagwerk zeigen sehr schön, wie fließend und homogen diese Band musizierte. Und dass Grateful Dead schon vor 30 Jahren mit aufwändiger Bühnentechnik guten Sound machten, hört man hier sehr deutlich. Und wer dann auf den Geschmack gekommen ist, dem empfehle ich “Working Man’s Dead”, die wohl beste Country Platte einer Rockband überhaupt.

Verwirrend vielfältig aus dem Schweizer Kursaal

Rating: ★★★★½

Bei diesem Album stimmt Alles: Songmaterial, Sound, Musiker und Produktion. Wie bei einem guten Live-Album eine der Sternstunden, die es in einem Musikerleben nicht oft gibt.

Stephan Eicher singt in vielen Sprachen, verarbeitet viele musikalische Eindrücke und lässt in seine Songs die gesamte Bandbreite der Rockmusik und viele europäische Musikstile einfließen. Wahrscheinlich ist er der einzige wirklich europäische Rockmusiker. Er hat das aus seinem späteren Werk “Taxi Europa” auch lang und breit betont.

Die vielfältigen Songs machen dieses Album bereits hörenswert. Aber mich beeindruckt am meisten das fantastische Zusammenspiel der Musiker, die live in einem Kursaal mit viel Raum aufgenommen wurden. Daraus ergibt sich ein weiter, warmer Sound, der perfekt durchhörbar bleibt und den romantischen Songs erst das Sahnehäubchen aufsetzt.

Es gibt für meinen Geschmack zu wenige Alben, die “live+onetake” eingespielt sind (Joe Jacksons “Body And Soul”, Lou Reed’s “New York” sind andere Beispiele). Und für diese Musik ist der Sound einfach perfekt.

Little Feat – Waiting For Columbus (Deluxe Edition) – 1978

Lust auf das beste Live-Album einer Rockband in Top Edition?, 24. November 2006

Rating: ★★★★★

Auch als nicht neutraler Fan dieser Band: Es ist schon immer das anspruchsvollste, musikalisch abwechslungsreichste, vielseitigste, packendste und schönste Live-Album einer Rockband gewesen. Der Abschluss einer Entwicklung, die 1971 mit Der Allman Brothers Band (Live At The Fillmore East) begann. Und auf diesem Nivau wird es das nie wieder geben. Weil keine Band der Welt heutzutage genug Speed und ähnliche Drogen nimmt, um wochenlang zu üben und zu jammen, bis 6 Musiker “laufen” wie eine gut geölte Nähmaschine.

Diese Edition ist jeden Euro wert: Schon das Booklet verrät interessante Details zur Entstehung des Albums. Zum Beispiel wurden zwar einige Gesangsspuren ausgetauscht wegen Tuningproblemen. Aber Drums (der Trommler Richard Heyward wird endlich einmal angemessen gewürdigt) und Keyboards (der Tastenzauberer Bill Payne) sind Original und ohne Overdubs. Und das bei diesem Niveau und Schwierigkeitsgrad…

Ich erfahre Neues über die Entstehung dieses Ausnahmealbums (Proben, Abmischung, die verwendeten Instrumente). Und freue mich an der überarbeiteten Abmischung und dem fetten, durchsichtigen Sound (mehr Details, feinere Bässe und wirklich schneidende Höhen von Lowell George’s Slidegitarre).

Und dann die zusätzlichen Songs. Wunderbar. “One Love Stand” oder “A Day At The Dog Races”, den wohl experimentellsten und schnellsten Rocksong aller Zeiten in einer Live-Version – großartig. Und als Zugabe für alle Zweifler dann noch “Red streamliner” vom Studioalbum Hoy Hoy.

Das ist wie 10 Pakete zu Weihnachten. Das Album sollte in keiner Sammlung fehlen. Und Du wirst es in zwanzig Jahren noch mit Freude hören.

Lust auf das beste Live-Album einer Rockband in Top Edition?

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Rating: ★★★★★

Ich rede hier im Wesentlichen von der gut remasterten Neuausgabe dieses Live-Albums aus dem Jahre 1979. Warner Brothers hat über 20 Jahre gebraucht, um das musikalisch und technisch beste Live-Album einer Rockband in einer angemessenen, ungekürzten Ausgabe auf CD heraus zu bringen. So ist sind hier nicht die faszinierend abwechslungsreichen Songs, die packende Live-Athmosphäre und die technisch anspruchvolle musikalische Präsentation zu würdigen. Sondern wirklich nur der Umstand, dass dieser Schatz der Rockgeschichte endlich in einer brauchbaren Form zugänglich gemacht wird. Weiterlesen