Cowboy Junkies – The Trinity Sessions

Velvet Under Ground in der Kirche – Trance-Folk mit Sound und Charme
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Die kanadischen Cowboy Junkies verfolgten mit diesem radikalen Sound (eine Band, eine Kirche, ein Take) und der faszinierenden, immer etwas gelangweilt klingenden Stimme der Sängerin Margo Timmins ein radikales Konzept: Eigene und fremde Kompositionen in Zeitlupe, mit ganz einfachen Arrangements und viel natürlichem Hall. Und das 1987, als die Synthis und Sampler um die Wette knallten.

Das klingt faszinierend nach den frühen Velvet Underground und deren Album “VU”, ohne desse radikale Härte und Schärfe. Manchmal klingt es aber auch etwas schlafmützig. Sehr eigene interessante Interpretationen von Traditionals (der gänsehauterzeugende Opener), Elvis “Blue Moon” eigenwillig in Slowest-Motion, Hank Williams “I’m So Lonesome” ohne künstlichen Schmalz und Lou Reed “Sweet Jane” ohne dessen Arroganz – große Klasse.

Und dieser Sound ist einmalig: Natürlich der Hall, leise die Instrumente deutlich der Raum und faszinierend rauchig die Stimme – ich liebe solche Aufnahmen ohne Schmu und Effektgeräte. Die durchaus hörbaren Längen einiger Stücke verhindern den 5. Stern nur knapp.
Rating: ★★★★☆

Angelika Winkler singt in der Kulturbrauerei

Die Schauspielerin Angelika Winkler ist den meisten Menschen aus Ihrer beklemmenden Darstellung gebrochener Frauen bekannt (“Edith’s Tagebuch”). Umso erstaunlicher, die Schauspielerin als Sängerin mit einem Programm von wenigen Gedichten und vielen Chansons im Theater Ramba Zamba zu hören.

Hoch konzentriert und begleitet von Klavier und Geige (Daniel Heinzmann, Dragan Radosavieviech) setzt die Schauspielerin mit wenigen Gesten den Rahmen für sehr anspruchsvoll arrangierte- (und schwer zu singende) Chansons. Erstaunlich, was gute Schauspieler auch im Fach Gesang so “drauf haben”. Das Publikum ist fasziniert und die junge behinderte Mitspielerin lockert wunderbar naiv das doch etwas schwerblütige Programm etwas auf. – Sehenswert, hörenswert! Rating: ★★★½☆

Frauenpower pur – Motown von Patti Labelle und Laura Nyro


Rating: ★★★★½

Dieses Album beginnt mit einem der ungewöhnlichsten Vokalarrangements: “I Met Him On Sunday” ein alter Motown-Hit der Shirelles, wird von 4 sehr unterschiedlichen, sehr kraftvollen Frauenstimmen gesungen wie von einer Doowop-Gruppe – jede Frau singt eine Zeile. Eine rhythmisch präzise Begleitgruppe füllt den Sound etwas auf – die Fröhlichkeit und musikalische Begeisterung der Sängerinnen springen sofort auf jeden Hörer über.

Die aufstrebende Singer/Songwriterin Laura Nyro, später bekannt geworden mit ihren sehr experimentellen Alben und Labelle, eine zu diesem Zeitpunkt schon eher stagnierende Gesangsgruppe um Patti Labelle und Nona Hendryx fanden sich 1971 unter etwas merkwürdigen Umständen zu dieser Produktion zusammen. Tagelang saßen die vier Frauen im Studio und probten, ohne eine Note aufzunehmen. Erst kurz vor Ultimo, quasi “One-Take” entstand dieses ungewöhnliche Album. Die Frische des Gesangs, die zupackenden Arrangements, die hörbare Heiterkeit der Musikerinnen und deren fantastische Stimmen sorgen für Gänsehaut und Überraschung beim Hörer. Begeisterung für die Hits der eigenen Kindheit und der Background der 4 Sängerinnen als Doowop-Straßenmusikerinnen werden hörbar und sorgen für ein Ausnahmealbum.

Amy Winehouse – zu kurz, zu banal, zu schlecht gesungen


Rating: ★★★☆☆

Ich bin bekennender “Nicht-Fan” von Amy Winehouse. Ihr Gesang ist in meinen Ohren nicht (wie viele Zeitgenossen finden) aufregend oder gar erotisch, sondern einfach nur bemüht ordinär. Doch wir wollen dem Album nicht Unrecht tun. Wenn eine Plattenfirma so viel Geld für eine Künstlerin ausgibt, dann lohnt sich das in diesem Fall schon:

Kein Zweifel- dies ist ein gut gemachtes Pop-Album! Abwechslungsreiche, gekonnte Arrangements quer durch die Musikstile der 60er Jahre: Motown, Orchesterpop etwas Soul – da ist für jeden etwas dabei. Nur die Sängerin hat nicht die große, abwechslungsreiche und druckvolle Stimme, die es für ein wirklich überragendes Album brauchen würde.

Der unangenehme starke Cockney-Akzent. Die verschleiften, bemüht rotzigen Vokale, der geringe Stimmumfang – irgendwie habe ich immer den Eindruck, dass Amy Winehouse versucht, besonders verrucht zu klingen wie ein 13jähriges Mädchen aus einem Casting-Wettbewerb. Trotzdem ein gelungenes Pop-Album, das gegenüber dem Debütalbum “Frank” von Winehouse zudem einen wesentlich besseren Sound und abwechslungsreichere Basis-Tracks hat.

Sweet Honey In The Rock – Selections 1976-1988 (1997)

Außergewöhnliche Frauen bringen außergewöhnlichen Acapella, 26. Dezember 2007

Rating: ★★★★☆
Schwarze Frauen singen zusammen feine Sachen: Sweet Honey In The Rock ist eine Gruppe von schwarzen Frauen, die seit über 30 Jahren Acapella singen. Mit klarem Bekenntnis zu den afroamerikanischen Wurzeln (geräuschhafte Sounds, Hecheln, Bellen, Juchzen markieren den Rhythmus) mit schönen Stimmen, die durch die große Besetzung an Fülle gewinnen. Und mit Texten, die kein Hörer je vergessen wird:

Mit ironischem Zwinkern schmachten die Damen “In The Upper Room” – da wohnt nämlich Jesus. Sie singen über Kinder, saufende Männer, misslungene Demonstrationen und alles, was die bürgerrechtsbewegte schwarze Frau so bewegt. Und durch den freien Rhythmus und entspannten Vortrag der Sängerinnen groovt dieser Chor zum Steinerweichen schön. Diese Kombination von intellektuellem Anspruch (dies ist die Acapella Gruppe mit den meisten Doktorinnen und Professorinnen auf der Welt), Witz und schönem Gesang kommt gut an, wenn man sich auf den gemächlichen Musikstil einlässt.

Mit diesem erzählenden, entspannten Gesangsstil sind die Damen einzigartig. Der Sampler bietet einen guten Überblick über die ersten acht Alben der Gruppe, deren Besetzung häufig wechselte. Durch die unterschiedlichen Stimmen kommt zusätzlich Abwechslung in die Stücke. Einige Damen haben gaaanz tiefe Stimmen, andere bellen und hecheln wie die jungen Hunde – eigenartig, interessant!

Das Booklet ist wunderbar ausführlich und stellt alle Bandmitglieder dieser Zeit ausführlich dar. Eine gelungene Zusammenstellung und perfekt für alle, die nicht gleich 20+ Alben kaufen wollen von dieser in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Gruppe.

Zwei sehr gute Sänger mit einem Weichspüleralbum

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Rating: ★★½☆☆

Robert Plant und Alison Krauss können gut, nein sehr gut singen und haben als Interpreten das kleine Fitzelchen Style, das aus einer schönen Stimme einen guten Sänger macht. So war ich sehr gespannt auf das Album Raising Sand, wurde aber leider heftig enttäuscht. Eine grauenhaft weichgespülte Produktion mit dumpfem, matschigem Sound. Das kling, als wollte der Produzent eine Gruppe Hörgeschädigter nicht aus dem Schlaf wecken. 

Langsame, dumpf abgemischte Tracks mit dröhnigen Bässen untermalen eine sehr abwechslungsreiche Mischung aus modernen Songs (Tom Waits u.a.), die von den Sängern  verhalten, vorsichtig und mit viel Ausdruck dargeboten werden. Da wurde der Sound dem Zeitgeist geopfert. Der Produzent T-Bone Burnett sollte sich eventuell mal bei Interpreten wie Jennifer Warnes oder Rickie Lee Jones umsehen, wie schöne Stimmen richtig in’s Licht gesetzt werden. So aber: Uninteressanter Weichspülpop für Freunde der Hintergrundmusik.

Aztec Camera – rasante Gitarren und etwas Melancholie

Rating: ★★★★★

Dieses Album erschien 1983 und ließ mich bis heute nie los. Ein überragendes Pop-Album, zeitlos, elegant und mit viel Stimmung. Roddy Frame, der Mastermind und Singer Songwriter präsentiert hier mit seiner Band melancholischen Folk-Pop mit teilweise sehr extravaganten Gitarrenparts.

Schon der rasante Opener “Oblivious” zeigt, wo es langgeht: Vertrackte Rhythmen und Harmonieren zu sehr eingängigen und poppigen Melodien, die mit fast traurigem Gesang kombiniert werden.

Roddy Frame ist ein ganz origineller Gitarrist. Ohne große Soundspielereien, dafür aber mit viel Druck und reich an Abwechslungen spielt er wie eine Mischung aus Joe Pass und Stevie Ray Vaughan. Und die Songs haben wirklich große Klasse: “Walk Out To Winter” überzeugt mit einer bestechenden Hookline und rasantem Zusammenspiel der Band. Ähnlich kommt das melancholische “We Could Send Letters” daher. In “Release” driftet Frame sehr gekonnt in feinste Melancholie zur gepflegten Gitarrenbegleitung ab, um bald danach mit dem hymnischen “Back On Board” das Album drei Songs vor Ende abzuschließen.

Ein Album mit sehr viel Langzeitwert durch die rauen, unverwechselbaren und vertrackten Songs.

Jennifer Warnes – Hunter (1993)

Traumhafte Stimme, großartiger Sound und bunt gemischtes Songmaterial,
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Rating: ★★★★½

Jennifer Warnes ist eine dieser ganz großen Sängerinnen, die mit ihrer Stimme fast Alles können: Säuseln, raunen, schluchzen aber auch strahlend laut und hoch druckvoll singen. Sie wurde berühmt durch ihre Arbeiten für Hollywood-Filme (“Up Where We Belong” mit Joe Cocker verkaufte Platin und brachte den Oscar) und veröffentlichte im Verlaufe ihrer 40jährigen Karriere relativ wenige eigene Alben.

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Annett Louisan – Boheme (2005)

Ausgefuchstes Album einer samtigen Kindchenstimme mit tollen Texten,

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Rating: ★★★☆☆

Die Sängerin mit der Stimme wie aus der schwülen Werbung für einen Weichspüler: Samtig, kindlich und dabei immer kontrolliert. Leider fehlen Annett Louisan die kernigen Töne, welche für raue Songs oder Chanson zwingend notwendig sind. Dennoch: Sie kann toll singen, klingt nie bemüht oder peinlich (gute Intonation und Zwerchfellstütze machen’s möglich) und hat einen großen Wiedererkennungswert.

Bemerkenswert die gute Produktion: Nur wenige, sehr abwechslungsreich eingespielte Gitarren und Percussion untermalen überwiegend im 3/4 Takt den Gesang und Texte, deren Genauigkeit und Zynismus von selbst textenden Sängerinnen in deutscher Sprache regelmäßig verfehlt werden. Das hört man immer wieder und dank der Texte auch immer mit einem kleinen Schmunzeln.

Fleetwood Mac’s Gitarrist macht Akustik-Pop

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Rating: ★★★★½

Wer das reduzierte, immer klar strukturierte Gitarrenspiel und die erlesene Kompositionen von Lindsey Buckingham von Fleetwood Mac nicht genau beobachtet hat, ist hier überrascht: Akustische Gitarren, absolut virtuos und ausdrucksvoll gespielt, übereinander geschichtet zu kleinen Pop-Sinfonien in der britischen Tradition von Terry Hall, Al Steward und Paul McCartney. Hier zeigt sich, dass Buckingham das melodische abwechslungsreiche und feinsinnige Gegengewicht zu der gut geölten Rhythmusmaschine Mick Fleetwood/John McVie bei Fleetwood Mac war.

Das klingt, als wäre Brian Wilson mit der Elite der britischen Pop-Musiker unterwegs gewesen, um das ultimative Pop-Gitarrenalbum einzuspielen. Einfach überragend. Ich liebe britischen Pop auf diesem Niveau. Mehr davon!

Mavis Staples und Ry Cooder – hier fehlt der Groove

Spiritualität und melancholischer Gospel – Civil Rights und Kirche,

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Rating: ★★★★☆
Wenn Gesang etwas mit Seele und Herz zu tun hat, dann ist die fast 70jährige Mavis Staples der Beweis: Traditionals wie die wunderbar kraft- und hoffnungsvoll interpretierten “We Shall Not Be Moved” oder “Eyes On The Prize” atmet sie förmlich aus und legt eine Kraft in ihren Gesang, die bei modernen Sängerinnen nur selten zu finden ist. Mit ihrer tiefen, manchmal richtig raunenden und röhrenden Stimme und unterstützt von großartigen Chören (Ladysmith Black Mambazo und Freedom Singers) interpretiert sie traditionelles Liedgut mit einer emotionalen Tiefe, dass dem Zuhörer buchstäblich die Tränen kommen. Sie erinnert in ihren kurzen eigenen Zeilen daran, was die Bürgerrechtsbewegung erreicht hat (und was nicht) – “In My Eyes”.

War das 2004 erschienene Album “Have A Little Faith” von Staples eine Art Comeback und Meilenstein mit seinen luftigen Arrangements und seinem rockigen Soul-Feeling, so werden diesmal noch erdigere Töne angeschlagen.

Die von Ry Cooder mit Drummer Jim Keltner und seinem Sohn Joachim produzierte Begleitung wird jedoch der Tiefe und Phrasierungskunst von Staples nicht immer gerecht. Drums und Percussion holpern (an Jim Keltner liegt das erfahrungsgemäß nicht), die viel zur Begleitung verwendete Slidegitarre von Cooder ist zu laut, schneidend, mittig und passt nicht immer zum jeweiligen Song. Und einer der Höhepunkte des Albums “Jesus On The Mainline” gerät trotz der fantastischen Interpretation der Sänger teilweise völlig aus den Fugen. Das Schlagwerk holpert und die Gitarre wirkt gegenüber dem lockeren und freien Rhythmus der Sänger statisch und deplaziert. Das hat Ry Cooder auf seinem Frühwerk “Paradise And Lunch” und vor allem auf seinem nicht als CD erhältlichen Live-Album von 1988 mit Willie Greene und Co. wesentlich intensiver und vor allem groovender hinbekommen. So wird leider die Intensität und Tiefe von Mavis Staples durch eine etwas holprige Produktion geschmälert. Trotzdem: Ein weiteres Ausnahmealbum der großartig singenden “Bürgerrechts-Oma”!

Mavis Staples ist eine Überraschung

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Rating: ★★★★☆

Mavis Staples hat diese extrem tiefe Altstimme, fast wie ein männlicher Bariton. Sie singt von Glaube, Hoffnung, Respekt und kann nie leugnen, dass die Staples Singers ihre Wurzeln in der Bürgerrechtsbewegung hatten. Ihre Stimme ist nicht gewaltig wie die von Aretha Franklin, sondern lebt von Ausdruck und Phrasierung. Ein bewegendes Erlebnis, diese fast 70jährige Sängerin zu hören.

Noch besser an diesem Album sind die Grooves: Fette, schwere Rhythmen, die direkt aus der Soundkiste alter Soulplatten von Stax und Motown zu kommen scheinen. Feine akustische Gitarren, grollender Bass, altmodisch funkig kracht das Fender-Rhodes und selbst Hammond-Orgel, Mundharmonika und sparsame Percussions lassen der Musik viel Raum zum Atmen und das Ganze geht richtig ab. Ein feiner, transparenter Sound krönt die wohl beste R & B Produktion der letzten Jahre.

George Michael verabschiedet das 20. Jahrhundert

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Rating: ★★★★☆

George Michael ist jenseits der Skandale und der schnellen Hits ein ganz hervorragender Sänger, was er hier gut zeigen kann: Schwierige bis schwierigste Arrangements von Songs, die zum Teil sehr bekannt sind. Und der Sänger phrasiert mit der ihm eigenen Glätte, aber immer druckvoll und sehr gekonnt. Auch ist jedes Detail des Textes zu verstehen; eine gekonnteArtikulation ist eben auch hilfreich für den Hörer. Da können sich 95 % aller männlichen und weiblichen Pop-Sternchen eine Scheibe abschneiden. Ich denke da zum Beispiel an den völlig verunglückten Swing-Versuch von Robbie Williams….

Eine wirklich gediegene Auswahl der Songs, Unbekanntes und große, abgenudelte Hits werden gekonnt gemischt. Jede Interpretation bekommt einen eigenen Touch und hört sich ungewohnt, interessant und stimmig an.

Und vor allem: Geniale Orchesterarragements und ein unglaublich transparenter, durchhörbarer und fetter Orchestersound – dieses Album ist eine audiophile Perle, Phil Ramone dem Produzenten sei Dank dafür. Warum nicht 5 Sternchen? Ganz einfach: Kein eigener Song dabei. Dies ist ein y2k (Jahr 2000) Album. Und besser, geschmackvoller und interessanter geht das kaum zu machen.

Emmylou Harris – Elite Hotel (1972)

Eine unglaubliche Sängerin mit einem unglaublichen Album, 14.05.2007
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Rating: ★★★★★

Emmylou Harris nahm sich mit diesem Album Großes vor: Songs der Beatles (das absolut ergreifende und in Zeitlupe gesungene “Here, There”) ebenso wie Country Standards und -kracher (“Amarillo”, “Together Again” und “Jambalaya”).

Die Gratwanderung ging auf: Zeitlos gültige Interpretationen von bekannten Songs. Mit einer Stimme, die alle Register zieht. Glockenhell, verrucht, lasziv, verträumt oder romantisch. “The Voice of Country” könnte Telefonbücher singen und hat hier sogar noch gutes Material. Und eine musikalisch traumhaft gelungene Einspielung außerdem, mit einem kleinen Trick: Jeder Song hat das falsche Tempo. Die Kracher einen Tick zu schnell, die Schnulzen einen Tick zu langsam. Das erhöht die Eindringlichkeit und macht diese Einspielungen traum- und vorbildhaft.

1975 im Lastwagen vor dem eigenen Haus entstanden ist dies (auch mit dem soundtechnisch gelungenen Remastering) ein Album fürs Leben.

Dixie Chicks – Fly (1999)

Raffiniertes Nachfolgealbum der cleveren Chicks, 12. Mai 2007

Rating: ★★★★½

Mit ihrem Vorgängeralbum “Wide Open Spaces” räumten die Dixie Chicks auf dem Gebiet des traditionellen Country ab. Und produzierten hier nur ein Jahr danach ein fantastisches Folgewerk, mit dem Popfreunde und Anhänger des Alternative Country ebenso Freude haben. Die Zutaten (solide und filigrane Saiteninstrumente, viel Satzgesang, tolle Leadsängerin) blieben gleich.

Aber bei der Songauswahl haben wir mit dem zutiefst ironischen “Cowboy Take Me Away” von Bandmitglied Martie Seidel einen echten Megahit. In “Goodbye Earl” wird grimmig witzig der prügelnde Ehemann verabschiedet (Frauenpower lässt grüßen). In dieselbe Kerbe schlägt das witzige “Let Him Fly” am Ende. Und mit “Some Days You Gotta Dance” enthält das Album einen der schärfsten Gitarrenkracher (etwa 10 verschiedene Gitarren bauen ganz filigran einen unglaublichen Groove auf) aller Zeiten. Dass dieses Lied auch noch einen witzigen (leicht männerfeinlichen-) Text hat, vergrößert nur den Spaß. Ein rundum gelungenes Album für alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Und musikalisch überaus spannend und interessant, obwohl (wie man beim Mitspielen merkt) das gesamte Album in ganzen drei Tonarten gehalten ist.