Michael Jackson, Bad – Top Produktion, Meilenstein, hörenswert

Nach Thriller kam BAD und dann? Nun ja: Auch dieses Album setzt (wie das noch ungleich innovativere Album Thriller) Maßstäbe, aber in anderen Bereichen.

Rating: ★★★★★

Mit “Man In The Mirror” wird hier ein Song-Genre geschaffen, das ich mal als PowerBalladenHymne bezeichnen möchte und seither zigfach ohne große Veränderung kopiert wurde: Leises Schnipsen, raffinierte Bassdrum, bedächtiger Gesang (mit einem tollen Text übrigens, der von Selbstzweifeln, Überwindung und Triumph erzählt) und dann von Strophe zu Strophe mit knalligem, dichten Sound eine gospelartige Hymne, bei der allein schon die mächtigen Chöre vorher in dieser Form nicht gehört wurden.

Auch ansonsten zeigt die dichte und raffinierte Produktion, dass seit dem Erstling Thriller die Samplertechnik weiter gekommen ist. Manchmal sind die Soundeffekte fast schon zu aufdringlich, ordnen sich aber immer dem Song unter. Und “Leave Me Alone” sowie das rohe, rotzige “Another Part Of Me” nehmen mit ihrem erdigen, rauen Sound die späteren Funk-Orgien von Prince und Anderen vorweg.

Schon wegen der Produktion lohnt sich diese Scheibe für jeden, der Pop hört.

Little Feat, Sailin’ Shoes – Meilenstein im Songwriting einer guten Band

Little Feat war (und ist teilweise auch ohne den bereits 1979 verstorbenen Lowell George) eine Band, die außergewöhnlich gehaltvolle Songs schuf. Auf ihrem zweiten Album zeigt die Band hier bereits, in welcher Liga ihr Songwriting spielt; die Qualität der Songs ist grandios – es fehlt teilweise nur noch an der auf späteren Alben zu bewundernden perfekten Umsetzung des Materials als Band.

Rating: ★★★★☆
Hervorzuheben sind
- Easy To Slip, eine gleißende, schnelle Southern-Rock Nummer
- Cold, Cold, ein schwerer Rocksong mit vertrackten Synkopen und tollem Text
- Willin’, der ultimative und tollste aller Fernfahrer-Songs, unerreicht und wahrscheinlich eine der 10 besten Country Hymnen überhaupt
- Apolitical Blues, ein SlowBlues mit witzigem, satirischem Text, genau richtig für Freunde des frühen Frank Zappa

Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs – ein Song ist besser als der andere. Little Feat decken hier praktisch die gesamte Bandbreite der amerikanischen Rockmusik ab und schaffen ein Rockalbum, das auch nach 30 Jahren noch interessant und hörenswert ist. Und die Songs sind zu Recht von zahllosen Bands gecovert worden.

Einen Punkt Abzug gibt es nur für die (historische) Aufnahme mit starkem Bandrauschen und das manchmal etwas unausgewogene, leicht holprige Zusammenspiel der Band. Auf späteren Alben und Live erreichte die Band allerdings bald darauf ein Niveau auch im Zusammenspiel, von dem fast alle anderen Bands heute noch träumen.

Brian Wilson – Live At The Roxy (2002)

Mehr Pop, Stimmung und Handwerk geht einfach nicht, 24. August 2006

Rating: ★★★★★

Brian Wilson live nach langer Krankheit und tiefer Depression mit einer ausgebufften Live-Band. Diese beiden Live-CDs sind mit das beste Stück LIVE, was es in der Popmusik überhaupt gibt.

Brian Wilson ist der Mozart des Pop. Und diese extrem komplex arrangierten Songs überhaupt live zu singen, grenzt handwerklich gesehen schon an an einen Husarenritt. 5stimmiger Gesang, einfach brilliante Arrangements, da stören einige schräge Töne vom Meister und seinen Freunden nicht. Und die schrägen Ansagen “.. oh, eight cigarette lighters tonight..” sind ein schnuckeliges Extra.

Was bei den Studio-Produktionen der Beach-Boys unter Tonnen von zeitgeistigem Band-Müll teilweise verschwindet. Und was bei den Studioplatten an Spontanität, an zartem Gefühl für Musik fehlt – hier ist es. Glanz, Emotion, Hitqualität, Perfektion – alles, was Pop ausmacht in einem Livealbum. Für mich ist Little Feat “Waiting for Columbus” die handwerklich perfekteste Live Doppel-CD im Rock. Und dies die schönste Live-Pop-Platte. Geeignet für jeden von 6 bis 60 und selbst Klassikfans werden daran ihre Freude haben.